Führung im Katastrophenschutz beginnt vor dem Alarm – was wir im Alltag für den Einsatz vorbereiten

Wer an Einsatzführung denkt, hat vermutlich erst einmal eine Einsatzstelle vor Augen: Fahrzeuge treffen ein, Informationen kommen rein, Aufträge müssen verteilt werden. Genau dafür bilden wir unsere Führungskräfte aus und üben mit ihnen.

Ein guter Teil der Voraussetzungen entsteht allerdings schon vorher. Beim Dienstabend, bei der Fahrzeugübernahme, in der Übung oder im Gespräch nach einer Ausbildung. Dort lernen wir, wie wir miteinander arbeiten. Und dort können wir Dinge klären, für die im Einsatz oft die Zeit fehlt.

Seit 1999 bin ich beim Roten Kreuz und habe in geplanten Einsätzen, Übungen und akuten Einsatzlagen unterschiedliche Führungsrollen übernommen. Auf diesem Blog möchte ich deshalb auch die Arbeit betrachten, die rund um den eigentlichen Einsatz stattfindet. Den Anfang macht die Vorbereitung im Alltag.

Die eigene Mannschaft kennen

Auf einer Übersicht lässt sich schnell feststellen, wer welche Ausbildung hat. Für die Zusammenarbeit brauche ich als Führungskraft aber ein etwas genaueres Bild.

Wer hat mit einer bestimmten Aufgabe praktische Erfahrung? Wer hat den Lehrgang zwar abgeschlossen, konnte das Gelernte aber noch kaum anwenden? Wem kann ich eine Aufgabe selbstständig übertragen, und wer braucht dafür noch Unterstützung?

Das erfahre ich, wenn ich mit den Leuten arbeite, ihnen zuhöre und bei Übungen genau hinschaue. Dabei lohnt es sich, auch diejenigen im Blick zu behalten, die sich selten von selbst melden. Wer zurückhaltend ist, kann trotzdem viel wissen und zuverlässig arbeiten.

Genauso wichtig ist, dass die Mannschaft mich kennenlernt. Wie erteile ich Aufträge? Welche Rückmeldungen brauche ich? Wie reagiere ich auf Nachfragen? Auch das sollte sich möglichst schon vor dem ersten gemeinsamen Einsatz zeigen.

Erwartungen aussprechen

Vieles erscheint uns selbstverständlich, weil wir es schon lange so machen. Neue Mitglieder können diese Selbstverständlichkeiten noch gar nicht kennen. Und auch unter erfahrenen Kräften gibt es unterschiedliche Vorstellungen davon, wie Zusammenarbeit aussehen soll.

Deshalb sollten wir Erwartungen ausdrücklich besprechen. Zum Beispiel:

  • Wann erwarte ich eine Rückmeldung zu einem Auftrag?

  • Wie gehen wir damit um, wenn jemand einen Auftrag nicht verstanden hat?

  • Wie werden fehlendes Material oder technische Probleme gemeldet?

  • Wie spricht jemand an, dass er eine Aufgabe gerade nicht sicher übernehmen kann?

Gerade der letzte Punkt ist wichtig. Wenn ich möchte, dass jemand seine Grenzen rechtzeitig anspricht, muss ich im Alltag vernünftig darauf reagieren. Ein genervter Kommentar vor der Mannschaft kann reichen, damit beim nächsten Mal lieber geschwiegen wird.

Eine Rückfrage kostet zunächst etwas Zeit. Ein falsch verstandener Auftrag kann später deutlich mehr Aufwand verursachen.

Material gemeinsam kennenlernen

Zur Vorbereitung gehört auch, dass wir mit unserer Ausstattung umgehen können. Dabei reicht es nicht, zu wissen, in welchem Fach ein Gerät liegt.

Bekommen wir es auch dann in Betrieb, wenn die gewohnte Person fehlt? Finden wir das benötigte Zubehör? Wissen wir, woran ein Fehler liegen könnte und welche Ersatzlösung uns zur Verfügung steht?

Ein Dienstabend bietet dafür gute Möglichkeiten. Lasst eine Aufgabe ruhig einmal von jemandem übernehmen, der sie sonst selten macht. Die erfahrene Kraft kann begleiten und erklären. So verteilt sich Wissen innerhalb der Einheit, und wir erkennen frühzeitig, wo noch Übungsbedarf besteht.

Das gilt übrigens genauso für digitale Hilfsmittel. Wenn nur eine Person weiß, wie die gemeinsame Ablage, eine Anwendung oder eine vorbereitete Vorlage funktioniert, hängt daran im Einsatz schnell mehr, als uns lieb ist.

Verantwortung im Alltag ermöglichen

Selbstständiges Arbeiten braucht Übung. Wer im Einsatz Verantwortung übernehmen soll, sollte vorher Gelegenheit bekommen, Entscheidungen zu treffen und die Folgen zu besprechen.

Dafür müssen wir keine große Übung organisieren. Auch eine überschaubare Ausbildungsaufgabe eignet sich: Eine kleine Gruppe bereitet einen Abschnitt vor, übernimmt die Materialplanung oder führt eine praktische Station durch.

Wichtig ist, den Rahmen klar zu setzen. Was ist die Aufgabe? Welche Vorgaben gelten? Wann soll Rücksprache gehalten werden?

Anschließend lohnt sich ein kurzes Gespräch: Was hat funktioniert? Wo war Unterstützung nötig? Was würde die Person beim nächsten Mal anders machen?

Als Führungskraft muss ich dabei auch aushalten, dass jemand einen anderen Weg wählt als ich. Solange das Ergebnis passt und die Vorgaben eingehalten werden, kann genau darin eine gute Lernchance liegen.

Kleine Probleme zeitnah klären

Ein unvollständiges Fahrzeug, eine unklare Absprache oder Ärger zwischen zwei Mitgliedern lässt sich im Alltag häufig noch in Ruhe bearbeiten. Im Einsatz kommen Zeitdruck und zusätzliche Anforderungen dazu.

Nicht jedes Problem muss deshalb sofort in der ganzen Gruppe besprochen werden. Manches gehört in ein persönliches Gespräch, anderes an die zuständige Stelle. Entscheidend ist, dass wir offene Punkte aufnehmen und uns darum kümmern.

Dazu gehört auch die Rückmeldung an die Mannschaft. Wer einen Mangel meldet, sollte erfahren, was daraus geworden ist. Sonst entsteht schnell der Eindruck, dass Melden ohnehin nichts bringt.

Drei Dinge für den nächsten Dienstabend

Wer das Thema angehen möchte, kann klein anfangen:

  1. Erwartungen klären: Besprecht an einer konkreten Aufgabe, welche Rückmeldungen gebraucht werden und wann nachgefragt werden soll.

  2. Wissen verteilen: Lasst Material oder Abläufe von jemandem erklären und durchführen, der sonst selten dafür zuständig ist.

  3. Einen offenen Punkt erledigen: Nehmt euch eine bekannte Unklarheit vor und legt fest, wer sie bis wann klärt.

Dafür braucht es keinen zusätzlichen Ausbildungstag. Ein paar bewusst genutzte Gelegenheiten können schon helfen.

Führung im Alltag bedeutet für mich auch, diese Voraussetzungen im Blick zu behalten. Wenn der Alarm kommt, müssen wir mit der Mannschaft und den Möglichkeiten arbeiten, die gerade da sind. Wie gut wir uns kennen und wie verlässlich unsere Absprachen sind, können wir schon vorher beeinflussen.

Wie macht ihr das in eurer Einheit? Welche Vorbereitung im Alltag hilft euch später im Einsatz besonders?

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